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DIE AKKADISCHE SPRACHE,

Seite 1—89 ist Sonderabdruck aus den Verhandlungen des Fünften Internationalen Orientalisten-Congresses zu Berlin, Zweiter Theil, Erste » Hälfte, Seite 249 287.

DIE

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AKKADISCHE SPRACHE

‚VORTRAG GEHALTEN AUF DEM

FÜNFTEN INTERNATIONALEN ORIRNTALISTEN-CONGRESSE ZU BERLIN

VON

PAUL HAUPT

MIT DEM KEILSCHRIFTTEXTE DES FÜNFSPALTIGEN VOCABULARS K. 4225 SOWIE ZWEIER FRAGMENTE DER BABYLONISCHEN SINTFLUTHERZÄHLUNG

UND EINEM ANHANGE VON 0. DONNER

ÜBER DIE VERWANDTSCHAFT DES SUMERISCH-AKKADISCHEN MIT DEN URAL-ALTAISCHEN SPRACHEN

BERLIN

A. ASHER & CO. WEIDMANNSCHE BUCHHANDLUNG 1883

Theology Library

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Alle Rechte vorbehalten.

MEINEM FREUNDE

Dr. LUDWIG SCHEMANN

GEWIDMET.

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Inhaltsübersicht.

Keilschrifttextbeilage . . . 2: 222.2 .. Unnumerirtes Fragment des Fünfspaltigen Vocabulars Vocabular K. 4225, Vorderseite . . 2 2...

Vocabular K. 4225, Rückseite. . . a Die Sintfluthfragmente Rr 2. II. 390 &388 . FRI: EEE ar A Auseinandersetzung mit Herrn Dr. we Homme, . Nachträge und Berichtigungen . . . 2... Die „Weibersprache* bei den Akkadiern » » oe. Epenthese des Tim Akkadischen - » » . .. Übergang von mm in ny ee 0 De A. H, Bazce's On an Accodion Beul » « » * . ..

Die akkadischen Zahlwörter a re

Sumerischer Hymnus an die Göttin Istar -. > 2.0» Assyrisches Gebet IV R. 61 IE Lu Bw 10, Übergang von a-u in E-u NE er Pr ae, Die akkadische Wurzel su» „werfen, besprengen“ «= » » Sumer. v£(n), akkad. gen „ich“ . » » ERERFTENNER

Erklärung der neuen Sintfluthfragmente ER Abkürzungenverzeichnis . . : 2 2 2.0. Die sumerisch-akkadische Sprache. . . . .

Dialektische Verschiedenheit des Sumerisch-Akkadischen

Allgemeiner Charakter der Sprache. . . . ...

Lautbestand des Akkadischen . . . . 2.2...

Veränderungen der Laute, Vocalharmonie

Wurzeln des Akkadischen . © . > : 2 2 2...

Nominale Ableitungselemente . ». » » 2.2 ..

Verbale Ableitungselemente . . ». - 22...

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Seite . IX—xVI . x &xm x &xıv . xı&xv . x & xvi XVII—XLIII

AyII—XXVIl » XXVIHI—XLI AXVIII—XXIX . KXX—XXXI XXI, zu 88 zu 8.15 zu 8. 13 zu 8.25 zu 8, 26 Anm. 23

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Casusverhältnisse AR: Postpositionen und Präpositionen Bau des akkadischen Verbums Zahlwörter Theorie J. Hau&vy’s Sprachproben . . I. Akkadische Boss hnrntgiforniel II. Akkadische Familiengesetze Ill. Sumerischer Busspsalm . Anmerkungen . OR AR Der terminus technicus ‚Weibersprache* Übergang von m in v im Assyrischen . ri Phonetische und ideographische Schreibung im Sumerischen . Spiration von 5 und g im Akkadischen Der akkadische Verlängerungsvocal Die Wurzel $iv, $uv „werfen, besprengen, biichaözen» Der Lautwerth a des Zeichens ID Nominalbildungen mit vocalischem Augment Der Lautwerth des Zeichens RAM im Sumerischen Auszüge aus dem Fragmente K. 4648 . Anhang von Prof. Dr. O0. Donner .

Seite 13—14 14—15 15—18 18—19 19—20 21—26 21-23 23—24 25—26

-39 27, 28,4 28,6 29,7 32,24 33,30 34,31 35,32 86,33 38,38 39—48

Fünfspaltiges Vocabular. Unnumerirtes Fr agment. Vorderseite.

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„Jith.Anftalt v. Franz Weingärtner in Görlitz,

Vorwort.

Den nachfolgenden Vortrag über die sumerisch - akkadische Sprache, welchen ich am 14. September 1881 in der Dritten Sitzung der Semitischen Section des Fünften Internationalen Orientalisten- Congresses zu Berlin hielt und nunmehr, vermehrt durch den werth- vollen Anhang Prof. O. Donner’s Über die Verwandtschaft des Su- merisch - Akkadischen mit den ural-.altaischen Sprachen sowie einige wichtige neue von mir im Britischen Museum copirte Keilschrift- fragmente, mit Genehmigung des Congresspräsidiums in einer Separat- ausgabe veröffentliche, beabsichtigteich ursprünglich in etwas anderer Fassung als Einleitung der Erklärenden Anmerkungen zu meinen Akkadischen und Sumerischen Keilschrifttexten erscheinen zu lassen. Ich habe jetzt statt dessen zu Anfang der Vierten Lieferung dieses Werkes in einundzwanzig Paragraphen die Grundzüge der akkadischen Grammatik mitgetheilt, zusammen mit einem Kurzen akkadischen Glossar, welches die wichtigsten Wörter enthält, die- bisher ihrer Lesung und Bedeutung nach sicher gestellt worden sind. Diese grammatische und lexikalische Skizze dort ist in erster Linie für den Gebrauch bei akademischen Vorlesungen bestimmt, beschränkt sich demgemäss auch auf die allernothwendigsten Angaben, die lediglich das zeitraubende Dictiren ersparen sollen.

Meinen Congressvortrag dagegen habe ich für einen weiteren Leserkreis berechnet. Er enthält im Wesentlichen in nahezu gemein- verständlicher Form eine systematische Zusammenfassung meiner Studien zur akkadischen Grammatik, die ich an verschiedenen Siellen zerstreut in meinen früheren Arbeiten niedergelegt habe. Dort sind auch die Belege für meine hier vorgetragenen Behauptungen zu finden, soweit sie nicht in den beigegebenen Anmerkungen begründet worden sind. Mit Machtsprüchen habe ich mich meines Wissens nirgends

Haupt, Die akkadische Sprache. a

XVII

begnügt, wenn mir das auch von Herrn Dr. Frırz Hommer in Nr. 23 der Münchener Zeitschrift Das Ausland vom 5. Juni dieses Jahres zum Vorwurf gemacht worden ist. In demselben Artikel bin ich bekanntlich auch bezichtigt- worden, ein Plagiat an M. Frangoıs LENORMANT begangen zu haben, nachdem Herr Dr. HowmmEL schon vorher in Nr. 19 des Literarischen Centralblatts vom 6. Mai 1882 und in Nr. 524 der Academy vom 20. desselben Monats die Beschuldigung gegen mich erhoben, dass ich in meinem Abriss der akkadischen Grammatik eigentlich nur FRIEDRICH DeLıtzsch’s Collegienheft ausgeschrieben habe, ebenso wie ich bisher verheimlicht, dass ich durch Mittheilungen Mr. PıncHes’ in den Stand gesetzt worden sei, the first account of the dialectical peculiarities des Sumerischen zu geben.

Ich stelle im Folgenden fest, was Herrn Dr. HoMMEL zu seinem Vorgehn veranlasst hat, und wie weit seine Behauptungen dem Thatbestande entsprechen.

Am 2. November 18581 schrieb mir Herr Dr. Homme, M. JuLES OPppErr sei eine Viertelstunde bei ihm gewesen und habe ihm bei dieser Gelegenheit erzählt, ich hätte auf dem Orientalisten-Congresse geäussert, der HommEr’sche Abriss der babylonisch-assyrischen und israelitischen Geschichte in Tabellenform sei nicht einmal die Drucker- schwärze werth. Ich antwortete darauf, wenn ich mich recht er- innere, umgehend, ich könne ihm auf mein Wort versichern, dass ich ein derartiges Urtheil nie abgegeben, dagegen hätte ich allerdings, wenn er mir diese freimüthige Bemerkung gestatten wolle, eine ähnliche Meinung von seiner mir vor Kurzem vom Verleger zu- gesandten Broschüre Die Semiten. Ich bat ihn dringend, im Inter- esse unsrer jungen assyriologischen Wissenschaft von derartigen überhasteten Veröffentlichungen Abstand zu nehmen. Falls er durch- aus schreiben müsse und seine schönen Gaben zersplittern, so möchte: er sich meinetwegen auf die vorislamischen Dichter werfen, aber nicht die Keilschriftforschung, für die Andere den Gegnern mühsam Schritt für Schritt Boden abzuringen suchten, wieder in Verruf bringen. Die Sachlage wäre nun einmal leider so, dass die Semitisten nicht sagten, unser junger arabistischer College in München hat da eine etwas unreife Arbeit in die Welt gesetzt, sondern stets: der Assyriologe HomMEL hat hier durch seine Semiten wieder einmal gezeigt, wohin die schwindelhafte Modewissenschaft der Keilschrift- forschung führt. Ich sähe mich ausser Stande, seinem Ersuchen um

XIX

eine Anzeige seines Büchleins, das mir durch sein eigenthümliches Vor- und Nachwort noch ganz besonders unsympathisch sei, zu entsprechen, stellte ihm deshalb, zumal da ich mir die Schrift schon seit geraumer Zeit selbst angeschafft hätte, das Recensionsexemplar wieder zur Verfügung.

Herr Dr. HommeEL bat sich dasselbe darauf in einer recht ein- sichtigen Postkarte vom 5. November aus, schrieb mir dann auch noch am 1. December 1831 einen sehr liebenswürdigen Brief, in welchem er mir die Mittheilung machte, dass er „einen anonymen Artikel über meine Sintfuthvorlesung an die Redaction der in Berlin erscheinenden Gegenwart, einer viel gelesenen Wochenschrift [sie!] abgesandt habe; bei der Allgemeinen Zeitung liege nämlich schon ein Artikel von ihm über die Kuschiten, und so wäre der neue über meine Schrift vielleicht erst im Juni abgedruckt worden, während ihn die Gegenwart wahrscheinlich schon im December oder Januar veröffentlichen würde.“

Ich habe nun, obwohl ich nicht täglich fünf Stunden durch Bibliotheksdienst in Anspruch genommen bin, stets kaum Zeit ge- funden, so viele Zeitschriften zu durchblättern, als Herr Dr. HommEu mit assyriologischen Artikeln versieht, kann daher auch nicht sagen, wie sich der geschätzte Recensent in der Gegenwart über mich aus- gesprochen. Dagegen bin ich durch Prof. W. auf einen mit FRITZ HOoMMEL unterzeichneten Feuilletonartikel über meinen Sintfluthbericht, der am 24. Juni dieses Jahres im Rheinischen Kurier erschienen ist, aufmerksam gemacht worden. Herr Dr. Hommer hat aller- dings erklärt, dass er trotz seiner ausgebreiteten journalistischen Thätigkeit von der Existenz dieser Zeitung keine Ahnung gehabt habe. Es scheint demnach, als wenn die Redaction des Wiesbadener liberalen Blattes auf eigene Faust Herrn Dr. Hommer’s Recension meines Vortrages in Nr, 6 der Montags - Revue vom 6. Februar 1882 ohne Quellenangabe nachgedruckt habe. Die J. C. Hinrichs’sche Buchhandlung hat dieGüte gehabt, mir auf meine Bitte am 11. October die betreffende Nummer zur Ansicht zu übersenden. Ich habe mich - dabei überzeugt, dass der Feuilletonartikel im Rheinischen Kurier nur eine verkürzte Wiedergabe des Aufsatzes in der Wiener Zeitung ist, der nach Herrn Dr. Hommer’s Erklärung im Literar. Central- blatt vom 12. August bereits Mitte December 1881 nach Wien ab- gegangen sein soll.

Wie sich das nun auch verhalten mag, jedenfalls steht fest, dass

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Herr Dr. HommEL in diesen beiden Blättern ausdrücklich anerkennt, dass durch meine Entdeckung der beiden nichtsemitischen Dialekte Babyloniens „der langjährige Streit zwischen den bedeutendsten Gelehrten Gottlob für immer beseitigt worden sei.“ Dass ich durch die „important discovery of the celebrated founder of Sumerian philology Frangoıs LENORMANT (in the German augmented edition of his book Die Magie der Chaldäer, Jena 1878, pp. 399 ff.) in con- nexion with some conjectures of Mr. THEo. G. PıncHks, of the British Museum (afterwards published in the Proceedings of the Society of Biblical Archaeology, 1881, January, pp. 48 ff.)* zur Annahme eines neuen Dialektes veranlasst worden sei, wie Herr Dr. Homme am 20. Mai 1832 in der Academy behauptet hat, wusste er also damals noch nicht, obwohl er über den betreffenden Abschnitt in dem Werke des Pariser Gelehrten, auf Grund dessen er mich dann in drei Blättern zugleich des literarischen Diebstahls bezichtigt hat, schon Anfang 1879 S. 407, Anm. 1 seiner Säugethiernamen achtzehn klein- gedruckte Zeilen geschrieben, und sich dann in Nr. 20 des Ausland vom 17. Mai 1880 noch ausführlicher darüber geäussert hatte. Ebenso kannte er die Stelle in den Proceedings bereits Anfang Februar vorigen Jahres, ohne dass ihm dadurch irgend welche Zweifel an der vollständigen Unabhängigkeit und Originalität meiner Entdeckung erregt worden wären. Es geht dies deutlich hervor aus einer Post- karte, die er am 9. Februar 1831 an mich richtete. Ich bringe die- selbe, da nichts darauf steht, was nicht Jedermann lesen könnte, hier unverkürzt zum Abdruck.

München, 9. II. 81.

Verehrter Collega! Ich meine, ich habe Ihnen schon per Karte zu Ihrer Habilitation gratulirt. Bezold hat IV R. 2, 10/11 & 49/50 in dem längst bekannten sisw (das ich noch in meinen T’hiernamen für einen Adler hielt) das hebr. süs „Pferd“ entdeckt (in der sumer. Columne wären die verwisch- ten Zeichen demnach PAS. KUR.RA). In dem Satz ina $adi irbü scheint mir eine uralte kulturgeschichtl. höchst interessante Erinnerung an die Heimath des in den bilinguen Texten sonst noch nicht (wenigstens als Schlachtross, murnizku, noch nicht) gekannten „Esels des Berg- oder Ostlands“ (Elam?) zu liegen. Was sagen Sie dazu? Ich habe in meinen T’hiernamen Ihre Ver- muthung oder vielmehr richtige Forderung, das landläufige susw zu tilgen, acceptirt, dazu jedoch bemerkt, ähnlich wie susu müsse das Pferd assyrisch doch geheissen haben. .

Als ich meine Entdeckung, die Götterliste in II R. sei auch in den 2 Dialekten, nach Leipzig schrieb, war dieselbe Delitzsch, Bezold und Jäger eine. grosse Neuigkeit; dass Sie unterdess dieselbe Entdeckung gemacht, stand mir sicher, ich gebe also gern meinen Vorrang hier preis; einiges neue steht übrigens doch in der Götterliste.e Haben Sie in den Proceedings gelesen, dass Pıncones sagt, er hätte die 2 Dialekte (in Wörterlisten und Texten) schon „two years ago“ entdeckt? Warum hat er das nicht vor 2 Jahren

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proclamirt? Ich glaube es ihm; aber nachher kann natürlich jeder kommen und sagen, er hätte das und das schon früher gefunden. Die Hauptsache ist die Thatsache des für die Assyriologie so überaus wichtigen Funds. Wann kommt Ihre Recension von Delitzsch’s Tiglathpilesar? Bitte schreiben Sie mir bald einige Zeilen, dann bekommen Sie sofort wieder eine Karte. Es ist besser, oft Karten zu wechseln statt selten Briefe, zu denen ich bei meinen 5 tägl. Bureaustunden schwer komme. Besten Dank für Ihre freundliche Recension in der ZDMG. Nächstens einzelnes darüber. Halten Sie wirklich /star noch für semitisch? Mit den herzlichsten Grüssen Ihr ergebenster F. Homuer.

Nicht minder interessant ist, was Herr Dr. Homme am 13. De- cember 1880 im Ausland drucken liess. Trotzdem dass er also, wie wir oben hervorgehoben haben, S. 399 in LENoRMANnT’s Magie sehr wohl kannte, schrieb er S. 999 des Münchener Blattes unter der Überschrift „Ein neuer sumerischer Dialekt (Vorläufige Mittheilung)*:

„Zu der viel discutirten Frage über die ältesten uns in der Keilschrift- literatur erhaltenen Texte und deren nichtsemitische Sprache, das sogenannte Sumerische oder Akkadische, hat der durch seine Sumerischen E’amiliengesetze schon vortheilhaft bekannte Assyriologe Dr. PaAur Havpr kürzlich einen neuen allgemein beachtenswerthen Beitrag geliefert. Er entdeckte, zunächst in den schon bekannten, uralten, lexikographischen Tabellen in Keilschrift, welche das Sumerische dem semitischen Assyrisch gegenüberstellen, einen neuen Dialekt des ersteren, was nun mit einem Mal eine Menge bisher unklar gebliebener Punkte aufhellt und von hoher Bedeutung nicht nur für die pbilologische Erforschung dieser Texte, sondern auch für die ganze Culturgeschichte des ältesten Orients ist. Mehrere jener zahlreich uns über- kommenen Wörterlisten sind nämlich drei-, nicht zweispaltig und zwar wie bei den zweispaltigen die erste, so hier die zwei ersten Spalten sumerisch die letzte assyrisch. In der einen dieser zwei ersten Spalten erkannte nun Haupt mit grossem Scharfsinn einen neuen Dialekt des Sumerischen und zwar, wie sich jetzt schon herausstellt, das eigentliche Sumerisch, während die andere besser Akkadisch genannt zu werden verdient. - Diese Entdeckung hat er in der 17. Nummer der Nachrichten der Göttinger Gesellschaft der Wissenschaften (vom 3. November) niedergelegt („Uber einen Dialekt der sumerischen Sprache“), und zwar vorderhand die erste Hälfte. Die Probe darauf, nämlich die Auffindung der so eruirten dialektischen Merkmale in einer grossen Anzahl der uns erhaltenen zweisprachigen zusammenhängenden sumerisch -assyrischen Texte, soll nächstens folgen; einstweilen gab Haupt am Schluss kurz die Nummern dieser T’exte im grossen englischen Inschrif- tenwerke (4. Bd.) an.“

Allem Anschein nach hat also erst das Erscheinen der Vierten Lieferung meiner Alckadischen und Sumerischen Keilschrifttexte, welche Anfang März dieses Jahres ausgegeben wurde, Herrn Dr. HommEL den erwünschten Anlass gegeben, seinem seit geraumer Zeit an- gesammelten Grolle Luft zu machen. Kurz vor der Mitte April erfolgten Abreise Dr. Carı BezoLp’s nach London kam ihm plötzlich der Gedanke, dass man S.399 von LENORMANT’s Magie, nach einigen Abänderungen, zu einer Plagiatsbezichtigung gegen mich verwenden könnte. Endlich hatte er eine Gelegenheit gefunden,

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wo er dem „hochmüthigen Gelehrten“ etwas anhaben konnte! Er gab seiner herzabdrückenden Freude sofort in einer an Dr. CArL, BEZOLD gerichteten Münchener Stadtpostkarte Ausdruck. Schnell wurde dann, wenn ich recht berichtet bin, im Laufe eines Nachmittags die „Anzeige“ meines 220 grosse Quartseiten umfassenden Werkes, das sich Herr Dr. HommEL zuvor hinter meinem Rücken von der Verlagsbuchhandlung erbeten hatte, zusammengeschrieben obwohl die Schlusslieferung mit Vorwort, Nachträgen und Berichtigungen noch ausstand —, Dr. CARL BEZOLD im Triumph vorgelesen wo- bei leider der Ausdruck Grössenwahn in blinder Hochmuth ab- geschwächt wurde und dann mit einem langen Briefe, welcher der Redaction des Literar. Centralblatts die Nothwendigkeit dieser Züchtigung meiner Arroganz zu Gemüthe führen sollte, nach Leipzig abgeschickt,

Diesen Begleitbrief habe ich natürlich nicht zu Gesicht be- kommen. Jedenfalls wird er aber schr eindringlich gewesen sein; denn Herr Dr. HommEL wusste ja, dass Herr Professor ZARNCKE bisher‘FRIEDRICH DELITZSCH als assyriologischen Referenten gehabt hatte, und deshalb nicht ohne weiteres geneigt sein würde, einen neuen Kritiker gerade mit einer so schwere Beschuldigungen ent- haltenden „Anzeige“ debütiren zu lassen. Er musste ja auch darauf gefasst sein, dass Herr Prof. ZArnckE vor dem Abdruck der inter- essanten Recension DELITZSCH fragen würde, ob es denn wirklich wahr sei, dass ich lediglich seine Collegienhefte ausgeschrieben und veröffentlicht hätte.

Die Redaction des Centralblatts hat indess die kühnsten Hof- nungen ihres Ausnahmsrecensenten weit übertroffen, und sich beeilt, die ungewöhnlich umfangreiche Besprechung so schnell als möglich ohne jede Änderung zum Abdruck zu bringen.

Herr Dr. Hommet schrieb deshalb auch mit aufrichtiger Aner- kennung des liebenswürdigen Entgegenkommens von Seiten Prof. ZARNCKE’s an Dr. OArı BEzoLD nach London:

„Unterdess ist rascher als ich erwartet, meine Rec. im Üentraldlatt, ohne dass Z. mir auch nur einen Ausdruck gestrichen, erschienen (No, 19 vom letzten Samstag). Der eine der begründenden Aufsätze ist bereits gedruckt (Academy) und erscheint nächsten Samstag; der andere (Ausl.) soll diese Woche gedruckt werden. Von Lenorm. & Schrader noch keine Zeile Antwort. Von Del. ein Brief, in welchem er Sie auch grüssen und einstweilen danken lässt. Er spricht sich darin sehr begierig auf meine Gründe für eme-sal = akkadisch aus; ich deutete sie ihm darauf kurz an und verwies ihn fürs einzelne auf meine beiden Artikel. Haupt ist also noch in London? Geht er nicht mehr nach Paris? Bitte schreiben Sie mir doch recht bald wieder,

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was er zu der Rec. gesagt. Sollte er, wenn Sie diese Karte bekommen, noch in London sein, so bitte sagen Sie ihm, dass ich ihn durch nichts be- leidigen wollte, dass ich im Gegentheil zu den wenigen aufrichtigen und stets das Gute an ihm anerkennenden Freunden gehöre, die er überhaupt noch hat. Jetzt wird er das vielleicht nicht einsehen und sich in seiner Wuth auf mich bald irgendwie rächen wollen (wobei er sich übrigens sehr in Acht nehmen soll)“.

Ich ging darauf zusammen mit Dr. BezoLp nach Ludgate Hill zu TRÜBNER und liess mir die betreffende Nummer des Literar. Cen- tralblatts geben, war aber leider so verblendet, dass ich die aufrichtige Freundschaft gar nicht herauszulesen vermochte. Möglicherweise hing dieses mangelhafte Verständniss mit meinem damaligen Zustande zusammen. Beim Copiren der Fragmente des babylonischen Nimrod- epos hatte ich mir Augen und Nerven so überanstrengt, dass ich meine Arbeiten im Britischen Museum abbrechen und nach Deutsch- land zurückkehren musste. Hierher schickte mir dann Dr. BzrzoLD auch den Aufsatzin der Academy vom 20. Mai nach, und von DELITZSCH erhielt ich einige Zeit darauf Nr. 23 des Ausland. Bei meinem an- haltenden Unwohlsein konnte ich aber nicht daran denken, meinem aufrichtigen Freunde öffentlich für die drei stets nur das Gute an mir anerkennenden Artikel zu danken.

Da veröffentlichte LAGARDE am 26. Juni aus eigenem Antriebe in den Nachrichten von der Königlichen Gesellschaft der Wissen- schaften zu Göttingen (1882, S. 451) eine Klarstellung, für” welche ich dem Verfasser der kernigen Deutschen Schriften ebenso wie Herrn FRAngoIS LENORMANT stets von Herzen Dank wissen werde. Nur die Academy druckte die Erklärung in Nr. 532 vom 15. Juli ab; das Ausland, wo Herr Dr. HomemEL seine Verleumdungen am unver- hülltesten ausgesprochen, unterdrückte sie gänzlich, und das Central- blatt veranlasste seinen geschätzten Referenten sogar, sich in noch viel verletzenderer Weise zu äussern (Nr. 30 vom 22. Juli), ohne seinen Lesern die durchaus sachlich gehaltene Berichtigung LAGARDE’S mitzutheilen. In Folge dessen schickte ich schliesslich Ende Juli eine kurze Entgegnung ein und Herr Prof. ZArnckE hatte auch die Güte, mich am 12. August in seinem Blatte zu Worte kommen zu lassen, allerdings mit einer nahezu doppelt so langen Duplik des Herrn Referenten , die mit der überraschenden Behauptung begann, dass die so umangenehme Streitsache lediglich durch Dr. Haupt selbst provociert worden sei! Ich muss gestehn, dass ich das denn doch einigermassen stark finde. Die Bemerkung hätte dem Redactions-

XXIV

stifte wahrhaftig eher zum Opfer fallen können, als meine Sperr- druckangaben.

Was nun diese letzten Auslassungen des Herrn Dr. HomMmEL anbetrifft, so beabsichtigte ich anfänglich, sie hier an dieser Stelle Punkt für Punkt zu widerlegen. Die ohnehin schon unverhältniss- mässig lange Vorrede dieser kleinen Schrift wäre dann aber noch weiter angeschwollen. Ich werde mir deshalb die in Nr. 33 des Centralblatts versprochene abschliessende Klarstellung für meine vor- aussichtlich Anfang nächsten Jahres erscheinenden Outlines of Assyrian Grammar versparen. Dort soll das ganze Actenmaterial vollständig mitgetheilt werden. Hier erlaube ich mir, nur vier Punkte kurz zu berühren.

1) Herr Dr. Hommer sagt, ich hätte „die von ihm deutlich in’s Licht gestellte Prioritat Lenormant’s, anlangend die Existenz des neuen Dialektes selbst und dessen Bezeichnung durch den terminus technicus EME- SAL nicht widerlegt“. Als wenn es sich überhaupt darum handelte, ob LENORMANT vor mir denselben Fund gemacht. Ob ich mir einer literarischen Diebstahl habe zu Schulden kommen lassen, oder nicht darauf kommt es einzig und allein an. Ausserdem ist an der 8.399 von LENORMANT’s Magie vorgetragenen Behauptung

„Die lexikalischen Tafeln verzeichnen nicht selten solche Wörter, die sich durch besondere phonetische Eigenthümlichkeiten von den eigentlichen akkadischen unterscheiden. Die Neigung dieser Wörter, ein m an die Stelle des d treten zu lassen ist deutlich erkennbar (Beispiele: II R. 40, 76a. b.; IV R. 10, 1a und 50b; 28, 31a); auch werden sie zudem stets durch Bei- fügung eines Ideogrammes unterschieden, das sie als solche eines besonderen Dialektes kennzeichnet: EME-SAL*“

grade so viel richtig, dass sich nirgends dialektische Wörter. mit m an Stelle eines akkadischen d und dem gleichzeitigen Zusatze dm& sal nachweisen lassen. Herr Dr. Homme hat dies auch sehr wohl gewusst; sonst hätte er sich nicht bei Gelegenheit der „Übersetzung“ dieser Stelle in der Academy vom 20. Mai zu einer ich habe den folgenden Ausdruck reiflich erwogen unehrenhaften Fälschung verleiten lassen, um LENORMANT’s Priorität deutlicher in’s Licht zu stellen.

2) Sodann behauptet Herr Dr. HonmEL, ich hätte Ende 1350 im Britischen Museum das „von Mr. Pınchks aufgefandene, fast voll- ständige Exemplar“ des dreispaltigen sumerisch-akkadisch-assyrischen Vocabulars zuerst in die Hände bekommen und sei in Folge dessen, zumal da ich zu dieser Zeit noch dasGlück gehabt, in daily intercourse with Mr. Pinches at the British Museum zu sein, natürlich in der Lage

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gewesen, the first account of these dialectical peculiarities in meinem in den Nachrichten der K. Gesellschaft der Wissenschaften zu Göt- tingen veröffentlichten Aufsatze zu geben. Zwanzig dialektische Texte ‘waren aber schon 1875 im Vierten Bande von Sir Henry Rawrinson’s Quneiform Inscriptions veröffentlicht worden und die beiden wichtigsten Fragmente des dreisprachigen Vocabulars, auf denen sich meine ganze Abhandlung über den sumerischen Dialekt aufbaut, ebenso wie die grosse sumerisch-akkadisch-assyrische Götter- liste, befanden sich sogar schon seit dem Jahre 1866 in den Händen aller Keilschriftforscher. Der grosse englische Assyriologe Epwın Noris hatte alle drei Tafeln unter der Überschrift Trilingual Lists im zweiten Bande des Londoner Inschriftenwerkes veröffentlicht (Tafel 31, Nr. 1; 40, Nr. 5 und 59), auch zu allen drei Texten im Index bemerkt: Other portions of this Tablet [have been] since found. Ich habe das S. 532 meines Aufsatzes in den Göttinger Nachrichten auch ausdrücklich hervorgehoben. Die neugefundene zweite Columne (K. 4604) des Trilinguen Vocabulars hat dann schon 1577 A. H. SaycE p. 12 seiner Accadian Phonology angeführt, ebenso die dritte Columne in seiner Anzeige von Deurrzscou’s Assyrischen Lesestücken in der Academy vom 11. Mai 1878. (Er sagt dort: „an unpublished tablet (K. 4604_ rev.) makes mus or wus the Accadian numeral „three*). Desgleichen hat DeLıirzscu bereits Ende 1877 Nr.265 der Anmerkungen zu seiner Schrifttafel und Anfang 1878 in seinem Aufsatze ‚Soss, Ner, Sar (Zeitschrift für Ägyptische Sprache, 1878, S.65) die dritte Co- lumne, endlich, noch vor meiner ersten Londoner Reise, an zwei Stellen von Dr. Lorz’s Tiglathpileser (S. 128, 64 und S. 96) die zweite Columne und das zuletzt von Horuuzp Rassam aufgefundene Frag- ment RY 605 eitirt. Es entspricht demnach auch nicht dem That- bestande, wenn Herr Dr. HommEı sagt, Mr. Pıncnes gebühre der Ruhm die dreispaltigen Tafeln entdeckt zu haben, wenn er auch noch nicht voll ihre Bedeutung erkannte. Mr. Pıncvwes schreibt sich auch selbst nur die Anuffindung einiger Bruchstücke von Duplicaten zu. Er spricht dies unzweideutig aus in einem Briefe, welchen er vor Kurzem an mich gerichtet. Ich drucke denselben hier mit seiner ausdrücklichen Bewilligung ab, da er zugleich Herrn Dr. Howmer’s Behauptung, dass ich ein Plagiat an Mr. Pıncues begangen, ziemlich entkräftet. Ich ersuche Herrn Dr. HomuEL aber, entweder vor oder meinetwegen auch nach Lectüre dieses Briefes über den Sinn der beiden Worte ziemlich entkräftet etwas länger nachzudenken, damit

XXV

er nicht wieder wie Spalte 1134, 5) des Centralblatts schreibe: „Wenn Herr Dr. Haupr sich nicht doch etwas getroffen gefühlt hätte, so würde er wahrscheinlich oben einen zuversichtlicheren Ausdruck als das Wort ziemlich gewählt haben (vgl. daselbst: ziemlich entkräftet)*.

Dept. of Oriental Antiquities, British Museum, Sept. 12th 1882, Dear Dr. Haupt,

How Dr. Hommel has arrived at the conelusion that you were led to your discovery of the Sumerian dialect „from some conjectures* of mine „afterwards published in the Proceedings of the Society of Biblical Archaeo- logy (January 1881, pp. 43 fi.)“ I do not know, for (as I wrote to you on the 30th of June last) I never thought of questioning the [act that your dis- covery of the Sumerian dialect was made quite independently of me. Equally independent, also, were the researches afterwards made by you, for, at the time you were engaged in working out the peculiarities of the two dialects, I was taking my vacation in the Isle of Wioht

Herr Dr. HommEı behauptet, dass ich at that time in daily intercourse

with Mr. Pinches in the British Museum war.

Dr. Hommel’s statement, that „the honour of having discovered a second dialect in the pre-Semitic literature of Babylon will always remain with M. Lenormant and Mr. Pinches“ only holds good, with regard to myself, in so far as I had, about the,end of the year 1878, noted the fact, and sought for and found fragments of duplicates, all of which I afterwards copied, and published in the 5th Vol. of tlie Ouneiform Inscriptions of Western Asia, pl. 11 & 12. Beyond exhibiting a label in Table-case C, in the Kouyunjik Gallery, nothing was published by me, and the only persons to whom I communicated the discovery were the Rev. J. N. StrassmAaıeR and M. Terrıien DE LA Coupsrıe. You, however, were the first to publish and to explain scientifically, in your most excellent paper „Über einen Dialekt der sumerischen Sprache“ and elsewhere the peculiarities and the laws of sound- change, etc., in the two dialects, and who first started the theory, since found to be quite correct, that the ordinary language was the idiom of Akkad, and the dialect that of Sumer. From my side of the question, there- fore, I can only confirm what M. Lenormant says in Prof. de Lagarde’s statement as to the part you took in the discovery of the Lower Baby- lonian dialect

With best greetings T'heo. G. Pinches. Damit wäre die zweite Plagiatsbezichtigung erledigt.

3) Herr Dr. Hommeı hatte dann auch im Centralblatt drucken lassen, dass ich „das Meiste in meinen Grundzügen der akkadischen Grammatik den Vorlesungen Friedrich Delitzsch’s schulde, ohme dass ich es nöthig fände, dies besonders zu bemerken“. DeLırzscn sandte mir darauf auf mein Ersuchen am 6. Juli folgende Erklärung:

„Honmels durch nichts gerechtfertigten und zu rechtfertigenden Angriff heklage ich tief. Wie er Ihnen gelegentlich seiner „Anzeige“ im ÜOentral- blatt vorwerfen kann, mein Collegienheft über sumerisch-akkadische Gram- matik stillschweigend zum grössten Theile ausgeschrieben zu haben, ist mir unbegreiflich; er weiss doch selbst ebenso gut wie ich, dass Sie fast in jedem einzelnen Punkte auf Grund durchaus eigener und selbständiger Unter-

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suchungen über das von mir früher Vorgetragene hinausgegangen sind, ein- zelne Theile der sumerisch-akkadischen Grammatik überhaupt erst ganz neu begründet haben. Übrigens habe ich meinen Standpunkt gegenüber Hommel’s grundlosen Behauptungen bereits im assyriologischen Jahresberichte der Deutschen Morgenl. Gesellschaft für 1880 klar genug gekennzeichnet.”

Herr Dr. HommeEL bemerkte dazu in Nr. 33 des Literarischen Centralblatts:

„Professor Delitzsch schreibt mir am 2. Mai: „Für Haupt's Keüschrift- texte habe ich leider noch immer zu wenig Zeit gehabt, um sie eingehender vorzunehmen. Anklänge in der Akkadischen Grammatik an mein einstiges Heft haben sich freilich auch mir sofort aufgedrängt, auf der andern Seite aber, denke ich, wird soviel Selbständiges darin sein, dass’ auch ich man- cherlei daraus lernen werde.“ Es ist mir überaus peinlich, durch Dr. Haupt gezwungen worden zu sein, diesen Satz anzuführen. Wenn mir dieses Citat meinen geliebten hochverehrten Lehrer für lange, vielleicht für immer entfremdet, so falle dies allein auf Dr. Haupt zurück etc. ete.*

Deuitzsch äussert sich nunmehr hierüber in einem am 16/10.

82 an mich gerichteten Briefe folgendermassen:

„Hommel irrt sich sehr, wenn er meint, es hätte erst der unbefugten Veröffentlichung dieser Stelle aus einem weiner Briefe vertraulichen Inhalts und ungezwungenster Fassung bedurft, mich ihm zu en‘fremden. Unsym- pathisch berührt hatten mich schon früher nicht wenige seiner übereilten und allzu selbstbewussten Artikel im Ausland, der Academy und der Augs- burger Allgemeinen Zeitung entfremdet aber hat ihn mir einzig und allein sein hässlicher, heimlich geplanter und dabei so völlig gegenstandsloser Angriff auf Sie. Was die Stelle anbetrifft, die ich Hommel am 2. Mai schrieb, nachdem ohne dass ich eine Ahnung gehabt seine Anzeige längst an die Redaction des Liter. Oentralblatts abgegangen war, so ist mir ebenso wie anderen unerfindlich, wie Hommel grade damit seiner Sache nützen zu können wähnte. Sage ich ja dort im Grunde nur mit anderen Worten genau das, was ich späfer in der Ihnen am 6. Juli übersandten Erklärung entschiedener und unmissverständlicher wiederholt habe. Und zu allem Überfluss konnte und musste dieses zweite Urtheil, dass ich selbst- verständlich erst abgab, nachdem ich Zeit gefunden, Ihre in Frage stehende Schrift eingehender vorzunehmen, auch in den Augen Hommel’s das allein massgebende sein.

4) Endlich hatte Herr Dr. HommeEL behauptet, dass ich gerade LENorMmAnNT’s Magie, aus der ich meine Entdeckung „entlehnt“*, 1879 in meinen Familiengesetzen des öfteren citirt und gerade gegen dieses Buch with the behaviour of a schoolboy losgezogen sei. Ich antwortete, dass dies nicht wahr sei, wohl aber hätte Herr Dr. Hommer in seiner Recension meiner Familiengesetze die Magie ein „Unglücksbuch“ ge- nannt und an einem andern Orte (Postkarte an mich vom 22. Juli 1879) von der „heillosen“ deutschen Ausgabe der Magie gesprochen. Herr Dr. Homme beschuldigt mich, dieses Citat aus dem Zusammen- hange gerissen zu haben. Ich würde ein derartiges Verfahren für sehr unehrenhaft halten. Nur diese beleidigende Verdächtigung veranlasst mich, das ganze Schreiben an dieser Stelle unverkürzt zum Abdruck zu bringen. Es ist das erste, das ich von ihm empfing.

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München (Ludwigsstr. 12, Rückgeb. II), den 22. Juli 1879. Verehrter Freund und Mitforscher!

Noch bevor ich Zeit zu einem ausführlicheren Briefe an Sie finde, drängt es mich, Ihnen in dieser kurzen aber schnelleren Form meine lebhafteste Freude und meinen herzlichsten Dank auszudrücken über Ihr gestern an mich gelangtes Buch nebst Ihrem liebenswürdigen Brief. Die Unwandel- barkeit der Lautgesetze verfechte ich vom Katheder herab seit nun 3 Se- mestern, meine Schüler gehen dafür durchs Feuer; sonst glaubte ich (NöLDERE ausgenommen) damit ziemlich allein zu stehen. Sie können sich denken, mit welcher Freude ich Sie daher als Bundesgenossen begrüsse. In meinem Buch über die Säugethiere finden Sie schon manches gelegentlich ausge- sprochen, besonders in der 2. Hälfte (wie auch in der Vorrede), eine Art Programm dagegen findet sich in meinen im August erscheinenden „semit. Zischlautgesetzen“ die ich Ihnen, sowie erschienen, zusenden werde. Von den wenigen Freiexemplaren meines Buches ist leider keins mehr da. Ein genaues eingehendes Programm (ähnlich wie PauL in Scherer’s Recens.) werde ich nächstens in der Rec. über Ihre Arbeit von unserer neuen Schule entwerfen. Nur in Kleinigkeiten stimme ich Ihnen nicht bei. X hätten Sie mehr den Hals brechen sollen, dem liebenswürdigen und genialen Lesormant, der sich in der letzten Zeit immer mehr bemüht, die Derrrzscn’sche Methode anzuwenden (vgl. Sie seine 2 letzten Arbeiten im J. As.) haben Sie bitter Unrecht gethan, da man einen Gelehrten doch nach seinen neuesten Leistun- gen beurtheilen muss. Schliesslich ist ja was Sie von seinen früheren Ar- beiten (bes. der heillosen deutschen Ausg. der Magie) sagen, alles wahr, aber eine gelindere Polemik trägt mehr dazu bei, Lenormant auf andere Bahnen (auf denen er factisch schon ist) zu bringen, als so wie Sie es ge- than. Sein verrücktes uniki Kamelinnen (statt arab. “anäg) hat er als ich ihm die Gründe dagegen ausführlich schrieb, sofort aufgegeben und ich habe ihn so schon von manchen Irrthümern bekehrt (ich kenne ihn übrigens per- sönlich). Der Krakehl schadet unserer Wissenschaft mehr als er nützt. S. 80, Anm. 4 ist zu viel! Nächstens mehr; nehmen Sie mir die Lanze für Lenormant nicht übel; Y hätte es gerade so verdient (vgl. seinen Z!) Mit den besten Grüssen

Ihr ergebenster F. H.

“Andg „weibliches Zicklein“ ist auf dem Original mit arabischen Schriftzeichen geschrieben; ebenso stehn an Stelle von N, Yeund Z die Namen zweier Fachgenossen des Herrn LENORMANT, beziehungs- weise der Titel eines von Herrn Y. herausgegebenen Werkes. Für den Zusammenhang (dürfte das ziemlich unwesentlich sein. Herr Dr. Homme wird sich nun hoffentlich zufrieden geben.

Ich schliesse hieran einige Nachträge und Berichtigungen zu dem folgenden Vortrage über die sumerisch-akkadische Sprache.

Zu 8. 2. Ob &m& sal wirklich „Weibersprache* bedeutet, ist noch sehr die Frage, da das Ideogramm nirgends durch nakbu erklärt wird. „Weibliche Sprechweise*, wie Deuıtzsch S. 5, Nr. 19 seiner Schrifttafel sagte, müsste ausserdem ja auch Kanu nakbatu heissen, da liSänu femin. gener. ist. Das nakbu das assyrische Äquivalent von Em£-sal sei, vermuthete DELITZSCH nur auf Grund von K. 247. Dort lautet Z. 1—3 der vierten Columne der Rückseite:

XXR

mar sa-ka-nu gd-gd ma-ru-[Ü] ma-ma nuk-bu

Ga ist mit dem Zeichen wmAL geschrieben. Möglicherweise ist hier nun gar nicht nakbu zu lesen, sondern vielmehr nagpu, das in der Bedeutung „geschlagen, verletzt, geschwächt“ durch K. 2486, Obvers bezeugt ist, und mar& im Gegensatz dazu als „stark“ zu fassen. Nagpu köunte Synonym von hamtu ASKT. 107, 3 ff. sein. Doch ist das alles noch sehr zweifelhaft. Ich verdanke: diese inter- ‚essanten Bemerkungen Deritzscn (16/10, 82). Ideogramm für marü ist, wie ASKT. 106, 11. 12 + 112, 10 und II R. 6, 37e zeigt, SE. Der Erste, der in &m& sal die Bezeichnung für eine besondere Weibersprache bei den Akkadiern zu erkennen glaubte, war meines Wissens A. H. Sayce. Er sagt in seiner Anzeige von DELITzscH’s-

Assyrischen Lesestücken iu der Academy vom 11. Mai 1878:

„Another interesting fact disclosed by the syllabaries is the existence of a women’s language among the Accadians. Certain words, we are told, were peculiar to the women and not used by the men. This was also the case among the Caribs, where the women were usually stolen from an alien tribe; so, too, the pronunciation of the women in Greenland is said to differ from that of the men, and the Basque verb has special forms for addressing a women. Even in this country we are familiar with the language of the nursery. It is evident, however, that the existence of a woman’s language points to a want of intercourse between husband and wife, and may indicate, as among the Caribs, a difference of race. We know from other documents that the mother in Accad oceupied the chief place in the family, in contrast to the later Semitic usage which regarded the women as inferior to the men.

Ich habe diese Stelle nicht ohne besondere Absicht hier zum Abdruck gebracht.

Die in einigen sumerischen Texten vorkommende Variante des Ideogrammes für KUR „Berg“ (vgl. z. B. ASKT. 121, 6. 123, 6) ist lediglich eine der neubabylonischen Formen des betreffenden Zeichens, die auch in den Achämenideninschriften vorkommt; siehe zum Beispiel das StoLze’sche Prachtwerk „Persepolis*, Berlin 1882, Band I, Tafel 45, Z.7 und Z.9; Tafel 46, Z.4 und Z.6 des dritten Absatzes. Durch ein Versehen ist beim Druck durchweg das baby- lonische Zeichen rın statt MAT gesetzt worden; so auch ASKT. 183, XVII, vorletzte Zeile. Der Doppelkeil muss oben, nicht unten stehen. Die sumerische Form des Zeichens RA findet sich auch auf einigen Tafeln der Izdubarlegenden, zum Beispiel auf dem aus den Fragmenten K. 3321, Sm. 1881, K. 2252, K. 2602, K. 4486 etc. zusammengesetzten Exemplar der Sintfluthepisode.

XXX

Zu 8. 3 vgl. SaycE, Accadian Phonology, p. 12. Ich habe diese interessante Abhandlung zusammen mit dem Aufsatze The Languages of the Cuneiform Inscriptions of Elam and Media (TSBA. III, 465) erst am 15/10. 80 vom Verfasser erhalten, nachdem meine Abhandlung über den sumerischen Dialekt bereits in den Händen des Göttinger Setzers war. Sayck erwähnt dort p. 2 (466) ausser dem Akkadischen „an allied Babylonian idiom, which chiefly differred from Accadian by preferring m to b, ma to ba („ille“) etc.“ Diesen Dialekt habe ich bis jetzt noch nicht ausfindig machen können. Die Bemerkung, dass das akkadischem g entsprechende im In- oder Auslaut stehende sumer. 5 denselben Laut repräsentire wie das m(v) iu Anlaute, habe ich genau so wie sie hier abgedruckt ist, schon am 14. September vorigen Jahres vorgetragen. Es ist daher sonderbar, wenn Herr Dr. HommEL, nachdem er meine Arbeit in den Congressverhandlungen gelesen, am 12. August 1882 im Centralblatt behauptet, die richtige Darstellung dieses Lautgesetzes gehöre ihm allein an. .

Zu 8.4. Der Übergang von sumer. 5 resp. z in akkad. s zeigt sich auch bei $a-zeba = akkad. $a-siga; vgl. 307; II R. 28, 60d; IV R.26, 54b; ASKT. 122, 12. Sumer. mezi(r), akkad. musir scheint eine Wafle zu bezeichnen; vgl. ASKT. 111, 40d; 120, 17; auch 259. Die Mittelstufe zwischen dem sumer. z&d „Knie“ (IV R. 9, 38a; ASKT. 118, Rev. 7; 180, VIII) und dem akkad. dug bildet die Form dub (dü-ub) in der akkad. Beschwörungsformel IV. R.1, 35a. Vgl. dazu das duga „gut“ in dem sumer. Texte IV R, 20, 7 sowie ASKT. 129, 13: kur-Sa-ga = ina kirib Xadi. Übergang von lin n zeigt sich auch ASKT. 220, Z. 39.

Zu 8.7. Zu dem Übergange von a in & unter dem Einflusse eines ö in der folgenden Sylbe vgl. noch &sir „Erdöl“ für asir „leuch- tendes Wasser“ (siehe mein Sintfluthglossar in Scuraper’s KAT.? unter =) sowie V R. 22, 25) und gestin „Wein“ für gas-tin „the drink oflife*. Diese zweifellos richtige Erklärung Pıncnes’ (Sign-Lst, 76 a) wird durch ASKT. 80, 19 bestätigt. Auch 312 wird wohl, wie das phonetisch geschriebene sumer. lim (LENORMANT, ESC. 12, 2) zeigt, E-L-im statt alim zu lesen sei. Die beiden wagerechten Keile von E sind lediglich verwischt; vgl. IV R. 70, 53a. Das Wort be- deutet eigentlich „vorn (lim) seiend, Führer“. Ebenso weisen die assyrischen Formen £sigu, Epinu, edü (SFG. 18, 8) darauf hin, dass im Akkadischen statt asiga, apin, adda mit Vocalassimilation Esiga, epin, edea gesprochen wurde; vgl. SaycE, Accadian Phonology, p. 5.

AXXI

Vocalassimilation liegt ferner auch vor bei dem bekannten Worte kankal „Höhe“ (ASKT. 68, 25; vgl. Lenormant, ESC. 214; Savce, Acc. Phon. 14 und 18, was aus ki, urspr. kin (DeuitzscHh, Paradies, 197) „Ort“ und kal „hoch, erhaben“, zusammengesetzt ist; ebenso bei dem alten Namen Babylons Dintir, der, wie ein unveröffentlichtes neubabylonisches Vocabular (PıncHes, Academy vom 22/7. 82) zeigt, für Tin-dir oder Tin-dur „Lebenswohnung“ assyr. $ubat balati (vgl. dazu TSBA.